Deutsche Bildhauerin stellt kritische Bronzeskulptur über Krieg und Profitgier in der Toskana aus – „Critical Art Comes Before Commerce“

ARES by Marita Vollborn auf der Chianciano Bieannale 2026
Die deutsche Bildhauerin, Journalistin und Autorin Marita Vollborn (https://maritavollborn.art) ist als „Selected Artist“ für die 9. Chianciano Biennale 2026 ausgewählt worden. Vom 15. bis 29. August 2026 präsentiert sie im Chianciano Art Museum in Chianciano Terme (Toskana) ihre Bronzeskulptur „ARES“. Gleichzeitig macht die Künstlerin deutlich: Eine Ausstellung der Arbeit in den USA kommt für sie derzeit nicht infrage.
„ARES“ (2015, Bronze, limitierte Auflage von 12 Exemplaren, ca. 34 × 29 × 30 cm) ist nach dem griechischen Kriegsgott benannt. Die Skulptur verkörpert Militarismus, ungezügelte Gewalt und vor allem die Profitgier, die hinter vielen Konflikten steht. „Mehr als 80 Millionen Tote in zwei Weltkriegen haben offenbar nicht ausgereicht, um Wettrüsten und Kriegshetze zu stoppen“, so Vollborn. Die Arbeit sei keine einfache Anti-Kriegs-Botschaft, sondern eine Auseinandersetzung mit den tieferen Mechanismen: der systematischen Ausbeutung von Konflikten durch Mächtige.
Gerade diese politische Schärfe ist für Vollborn der Grund, „ARES“ derzeit nicht in den USA anzubieten. Die in der DDR aufgewachsene Künstlerin betont den Grundsatz „Critical Art Comes Before Commerce“. Sie respektiert das demokratische Votum der amerikanischen Wählerinnen und Wähler, lehnt jedoch eine mögliche Erosion von Checks and Balances und eine aggressive Machtpolitik ab. In diesem Klima will sie ihre kritische Arbeit nicht den Bedingungen eines Marktes unterwerfen, der oft gefällige, unpolitische Kunst bevorzugt. Stattdessen freut sie sich ausdrücklich darüber, wenn amerikanische Besucherinnen und Besucher die Skulptur in Italien sehen und sich mit ihr auseinandersetzen können.
Seit 2010 arbeitet Vollborn an ihrem Projekt „Sinn und Scherben®“ mit rund 50 expressiven Ton- und Bronzeskulpturen. Die Werke thematisieren menschliche Ambivalenzen – Stärke und Schwäche, Macht und Schuld, Hoffnung und Verlust – und stehen bewusst im Gegensatz zu rein kommerzieller Kunst. Als ehemalige investigative Wissenschaftsjournalistin und Autorin versteht sie die Bildhauerei als Gegenpol zur faktenbasierten Sprache: „In der Skulptur forme ich mit den Händen, was sich nicht in Worte fassen lässt.“
Die 9. Chianciano Biennale versammelt rund 300 internationale Künstlerinnen und Künstler im Chianciano Art Museum und in den historischen Galerien des mittelalterlichen Ortskerns. Der Eintritt ist frei.
„Kunst darf sich schwierigen Wahrheiten nicht entziehen“, sagt Marita Vollborn. „‚ARES‘ ist meine Antwort auf eine Welt, die weiterhin von Krieg und Gier geplagt wird. Ich hoffe, dass die Skulptur in der internationalen Atmosphäre der Biennale Gespräche anstößt – und uns an unsere gemeinsame Menschlichkeit erinnert.“