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Diabetiker leiden häufiger an schwerer Parodontitis

Pressemeldung von: Initiative proDente e.V. - 04.11.2026 12:35 Uhr
Den verantwortlichen Pressekontakt, für den Inhalt der Pressemeldung, finden Sie unter der Pressemeldung bei Pressekontakt.



Blutzucker messen, Ernährung anpassen, bewegen – bei Diabetes denkt man an vieles, selten jedoch ans Zahnfleisch. Dabei zeigen Studien: Typ-2-Diabetes und Parodontitis hängen eng zusammen. Zum Weltdiabetestag am 14. November gibt es eine gute Nachricht: Diese Verbindung eröffnet neue Chancen für Prävention, Früherkennung und Therapie.
Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie1 (DMS • 6) belegt: Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln deutlich häufiger schwere Parodontitis. Gleichzeitig kann die Behandlung der Entzündung im Mund die Blutzuckerkontrolle verbessern. Mundgesundheit und Diabetes sind untrennbar verbunden.

16 Prozent versus 5,6 Prozent

Die DMS • 6 zeigt den Zusammenhang klar: 16 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden an schwerer Parodontitis, bei Nicht-Diabetikern sind es nur 5,6 Prozent. Das Risiko für einen schlechteren Parodontalstatus verdoppelt sich bei Diabetes. Auch Zahnverlust, Wurzelkaries und schlechtere Mundhygiene treten häufiger auf. Diese Zahlen verdeutlichen: Mundgesundheit ist bei Diabetes keine Nebensache. Entzündungen im Mund wirken sich auf den gesamten Körper aus. „Die Behandlung von Diabetes sollte immer auch das Zahnfleisch und das Zahnbett berücksichtigen“, betont Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer und Vorstandsvorsitzende der Initiative proDente e.V.

Mund und Stoffwechsel beeinflussen sich gegenseitig

Die Forschung zeigt immer deutlicher: Diabetes fördert Entzündungen im Zahnhalteapparat, während umgekehrt Parodontitis die Stoffwechsellage verschlechtern kann. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Daten aus 28 Längsschnittstudien und über 300.000 Teilnehmern2 bestätigt diese Wechselwirkung. Die Autoren fordern, Mundgesundheit stärker in die Diabetesprävention und -therapie einzubinden. Genau hier setzt die deutsche S2k-Leitlinie3 „Diabetes und Parodontitis“ an. Ihr Ziel: Zahnmedizin, Diabetologie und andere Fachbereiche enger zu vernetzen – von der Prävention bis zur Behandlung.

Parodontitisbehandlung mit doppeltem Nutzen

Für Diabetiker sind gesundes Zahnfleisch und ein gesundes Parodont (oder Zahnbett) besonders wichtig. Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse4 japanischer Forscher zeigt: Drei Monate nach einer Parodontitisbehandlung verbessert sich der Langzeitblutzuckerwert HbA1c im Schnitt um 0,64 Prozentpunkte, nach sechs Monaten um 0,33 Prozentpunkte. Die Empfehlung der Autoren: das Diabetesmanagement durch die gezielte Therapie von Parodontitis zu ergänzen. „Moderne Prävention beginnt beim Zahnarzt und beim Diabetologen. Entzündungen früh zu erkennen und zu behandeln, trägt wesentlich zur Allgemeingesundheit bei“, sagt Dr. Ermler.

Das Mikrobiom liefert neue Erkenntnisse

Auch das Mikrobiom rückt in den Fokus der Forschung. Eine 2026 veröffentlichte Studie5 untersuchte bei Diabetikern das Zusammenspiel von Mundmikrobiom, Stoffwechselprodukten, Entzündungsmarkern und HbA1c bei Parodontitis. Die Behandlung der Parodontitis verbesserte nicht nur die Mundgesundheit, sondern auch systemische Entzündungs- und Stoffwechselwerte. Besonders auffällig: die Verbesserung des HbA1c-Werts. Die Verbindung zwischen Mund, Entzündungen und Stoffwechsel wird immer klarer. Zahnärzte könnten künftig eine größere Rolle in der Früherkennung spielen. „Zweimal täglich Zähne putzen, Zahnzwischenräume reinigen und ärztliche wie zahnärztliche Kontrolltermine gleichermaßen wahrnehmen – das klingt banal, für Diabetiker sind es aber wichtige Bausteine der Gesundheitsvorsorge“, so Dr. Ermler. „Mundgesundheit und Allgemeingesundheit gehören zusammen.“


Quellen:
1:
https://dms6.info/#shiny-tab-home
2:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42480567/
3:
https://register.awmf.org/assets/guidelines/083-015l_S2k_Diabetes-Paradontitis_2024-10.pdf
4:
https://www.frontiersin.org/journals/clinical-diabetes-and-healthcare/articles/10.3389/fcdhc.2025.1541145/full
5:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13094239/

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